Bereits zum dritten Mal in diesem Winter findet der Biathlon-Weltcup vor Geisterkulisse statt. Nach den Stationen in Hochfilzen und Oberhof finden auch die Wettbewerbe im Chiemgau ohne Zuschauer statt. Es wird nicht die letzte Veranstaltung dieser Art in dieser sein. Auch die Generalprobe vor den Olympischen Spielen in Antholz wird ebenfalls vor leeren Rängen stattfinden. Die Ausrichter stehen wirtschaftlich am Scheideweg.
Die Bedingungen unterhalb des Zirnberg sind diesmal perfekt. Strahlender Sonnenschein, Temperaturen um fünf Grad Celsius, kein Wind, dazu eine meisterlich präparierte Schneedecke. Das hatten die weltbesten Biathleten schon lange nicht mehr. Was ihnen derzeit fehlt, sind die Zuschauer. Bis zuletzt durften die Ausrichter in Ruhpolding auch darauf hoffen. Aber ein Tag vor dem offiziellen Auftakt im Chiemgau kam das Aus. Die Bayerische Staatsregierung hat die Zulassung bei sportlichen Großveranstaltungen untersagt. Dabei hatten die Verantwortlichen um OK-Vize-Chef Herbert Fritzenwenger noch um eine prozentuale Zulassung von Zuschauern gewünscht. „Wir hatten maximal 7500 Zuschauer ab dem zweiten Tag erhofft“, sagte Bürgermeister Justus Pfeifer. Noch beim 7,5 Kilometer-Sprint der Damen galt die bestehende Corona-Verordnung des Freistaates, die dann jetzt bis zum 09. Februar verlängert wurde. Für Ruhpolding ist es ein erneuter Rückschlag, nachdem in der vergangenen Saison die Rennen wegen der Corona-Pandemie die Austragung ganz ausgefallen war und stattdessen ein Doppel-Weltcup in Oberhof ausgetragen wurde.
Finanzielles Risiko
Dabei sind die Ausrichter auch auf die Einnahmen bei der Ausrichtung des Weltcups angewiesen. Ohne Zuschauer rechnet Ruhpolding mit einem niedrigen siebenstelligen Betrag. Nicht anders ist es bei den bisherigen Ausrichtern. Eine dritte Saison unter Pandemie-Bedingungen und ohne Fans wird sich kaum ein Ausrichter leisten können. Ganz zu schweigen, wenn im kommenden Jahr die Biathlon-Weltmeisterschaft (08.-19.02.2023) ohne Zuschauer stattfinden müssten. Gerade hat der Freistaat Thüringen zuletzt 35 Millionen Euro in die Infrastruktur des Wintersportzentrums investiert. Und ohne staatliche Hilfen werden die Wintersportveranstalter wirtschaftlich nicht überleben. „Für den Skiclub Ruhpolding ist das eine Katastrophe«, betonte Herbert Fritzenwenger, der Vorsitzender des SC Ruhpolding und Vizepräsident des OK ist. Die Einnahmen blieben aus. Weder aus den Ticketverkäufen noch aus dem Verkauf von Getränken und Speisen. Rund 95 Prozent seiner Einnahmen generiert der SC Ruhpolding aus der Verpflegung. „Wir mussten unser Budget im vergangenen Jahr schon um 70 bis 80 Prozent reduzieren, um als Verein überhaupt überleben zu können“, informierte Fritzenwenger. Im Chiemgau wird man um finanzielle Unterstützung bitten, um das Defizit „nicht über die Einwohner abfangen zu müssen“ hatte Bürgermeister Justus Pfeifer erklärt. Allerdings machen sie klar, dass bisher noch keine Zusagen weder vom Freistaat Bayern, noch von der Bundesregierung oder Sportfachverbänden schriftlich vorliegen.
Internationale Biathlon Union unterstützt
Einzig der Weltverband IBU signalisierte, den Ausrichtern unter die Arme greifen zu wollen. So erhöhte die IBU vor der Saison den regulären Zuschuss für die Organisationskomitees bereits um ein Drittel, wie IBU-Kommunikationsdirektor Christian Winkler auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. „Die IBU wird nach der laufenden Saison entscheiden, wie eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für Veranstalter, die ihre Events ohne Zuschauer durchführen mussten, aussehen wird“, sagte Winkler. In der vergangenen Saison hatte die IBU die finanzielle Unterstützung für die Organisationskomitees aufgrund der Corona-Situation bereits verdoppelt.
Von Jochen Willner